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Glenner – verborgen & verkannt 

Der Glenner ist wild, voller Leben und gleichzeitig fast unsichtbar: Er fliesst verborgen durch die Val Lumnezia, durch tiefe Schluchten und lebendige Auen. Doch einer der letzten ungezähmten Flüsse Graubündens ist bedroht. Entdecke den Glenner und erfahre, warum es sich lohnt, ihn zu bewahren.

Der Glenner – romanisch Glogn – ist einer der letzten grösseren, weitgehend ungezähmten TalflĂĽsse GraubĂĽndens. Auf rund 30 Kilometern fliesst er durch Schluchten, Wälder und Auen in der Val Lumnezia, bevor er bei Ilanz in den Vorderrhein mĂĽndet. Wie eine Perlenkette reihen sich acht wertvolle Auen entlang seines Laufs aneinander – vier davon von nationaler Bedeutung. Und doch ist diese BĂĽndner Gewässerperle kaum bekannt.  

Und nun ist der Glenner bedroht: FĂĽr die Stromproduktion sollen fĂĽnf seiner Quellbäche gefasst und ihr Wasser ins Einzugsgebiet des Hinterrheins umgeleitet werden. Wasser, das heute durch die Val Lumnezia in den Vorderrhein und weiter durch die Ruinaulta fliesst, wĂĽrde seinem natĂĽrlichen Lauf entzogen.    

Auenlandschaften: Einzigartige Lebensräume

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Auenlandschaften gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Wegen ihrer aussergewöhnlichen Vielfalt werden sie deshalb oft als die «Regenwälder Europas» bezeichnet. Am Glenner sind sie aussergewöhnlich gut erhalten und zahlreich. Gleich acht Auen reihen sich perlenschnurartig entlang seines Laufes aneinander. Die geplante Wasserableitung droht die natürliche Dynamik des Glenners zu schwächen – und damit die Grundlage dieser wertvollen Lebensräume.

Wasserkraft: Was dem Glenner droht

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Mit der geplanten Ableitung des Glenners durch die Berge bis zum Hinterrhein könnten die Kraftwerke Zervreila AG jährlich weitere 80 GWh Elektrizität erzeugen, was den Verbrauch von 18’000 Haushalten deckt. Der Preis wäre jedoch hoch. Dem Glenner würde vielerorts unwiderruflich Wasser entzogen – mit weitreichenden Folgen für Natur, Landschaft, Freizeit und wahrscheinlich sogar für die Wasserkraft.

Wasserkraft: Bessere Lösungen werden verunmöglicht

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Auch für die bestehende Wasserkraft könnte die Überleitung Lugnez zum Problem werden. Die Restwassermenge im bereits genutzten Valserrhein, der in den Glenner mündet, ist heute zu tief und muss erhöht werden. Mit der Glenner-Ableitung verschärft sich dieses Problem. Auch im Vorderrhein stehen dringende ökologische Sanierungen an, darunter eine mögliche Ausleitung des schädlichen Schwalls zwischen Ilanz und Reichenau. Denn, wenn die Turbinen der Kraftwerke im Einzugsgebiet des Vorderrheins laufen, fliesst viel Wasser durch die Ruinaulta, wenn sie stillstehen wenig. Wenn viel Wasser fliesst, werden Wassertiere weggeschwemmt, bei wenig Wasser stranden sie. Mit einer Schwallausleitung könnten diese ständigen und schädlichen Abflussschwankungen geglättet und gleichzeitig zusätzlich Strom produziert werden. Dafür braucht es aber das Wasser aus dem Glenner. Wird dieses in den Hinterrhein umgeleitet, könnte diese Lösung für die Ruinaulta verhindert werden, die Stromproduktion und Gewässerschutz besser miteinander verbindet.

Am Ufer des Glenners lebt die Vielfalt

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Die Auen am Glenner bieten Lebensraum für eine aussergewöhnliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Fische, Amphibien, Vögel, Insekten und Fledermäuse finden hier Nahrung, Schutz und geeignete Lebensräume. Am Glenner leben unter anderem Grasfrösche, Flussuferläufer, Kleine und Grosse Hufeisennasen sowie zahlreiche seltene Laufkäferarten. Auch bei den Pflanzen finden sich besondere Arten: Neben der Deutschen Tamariske ist in den Auen beispielsweise der seltene kleine Rohrkolben zu Hause.

Wo seltene Arten ein Zuhause finden

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Stark gefährdete Fledermäuse, die Kleinen und Grossen Hufeisennasen, jagen nachts in den Auenwäldern nach Insekten, seltene Laufkäfer besiedeln offene Sand- und Kiesflächen. So unterschiedlich diese Arten sind, eines verbindet sie: Sie brauchen die Lebensräume, die ein dynamischer Fluss immer wieder neu entstehen lässt. Weniger Wasser und weniger Dynamik würden diese Arten weiter gefährden.

Wo Fische leben und wandern

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Bachforellen sind im Glenner und seinen Seitenbächen zu Hause, und auch die Seeforelle wandert vom Bodensee in den Vorderrhein. Doch im Glenner werden die Seeforellen auf ihrer Wanderung gestoppt. Spätestens vor der Schwelle bei Peiden ist fertig, diese ist für Fische unüberwindbar. Wird diese wie geplant zurückgebaut, könnten die Seeforellen in den Glenner aufsteigen und dort neue Laichgebiete erreichen. Für die bedrohte Seeforelle ist das eine grosse Chance – vorausgesetzt, der Glenner führt auch künftig genügend Wasser.

Wildwasser: Ein Paradies fĂĽr Paddlerinnen und Paddler

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Seine Unberührtheit macht den Glenner zu einem einzigartigen Wildwassererlebnis für Paddlerinnen und Paddler. Zusammen mit der Ruinaulta ist er ein wichtiges Aushängeschild für den regionalen naturnahen Tourismus. Dieses Stück ungebändigte Natur droht mit der geplanten Wasserableitung im hinteren Val Lumnezia verloren zu gehen.